Folge 10: Kleine Räder mit dem besonderen Etwas
Steirische Radhändler berichten.


Der Name Glanzrad klingt erst einmal schön. Es steckt aber mehr dahinter. Gegründet wurde die feine Manufaktur für edle und zugleich leistbare Stadträder Anfang 2014 nämlich von Thomas Glanz. Zuerst als Einzelunternehmen, drei Jahre später dann als GmbH. Im Mai 2020 eröffnete Glanzrad eine Filiale im Grazer Zentrum. Mitten in der Pandemie. Mut kann man sich nicht kaufen...
„Der Wunsch war schon immer in mir, ich habe es erst spät erkannt und es kam schleichend über Jahre hinweg", erzählt uns Thomas Glanz. „Ich habe davor etwas komplett anderes gemacht. Vorwiegend in Banken gearbeitet und auf einer FH unterrichtet. Die Liebe zu alten Dingen war aber schon immer da und speziell zu Fahrrädern. Das Fahrrad war, seit ich denken kann, mein Fortbewegungsmittel. Schon als kleines Kind. Ich bin in Hollabrunn aufgewachsen. Da gab es keine Busse oder ähnliches. Du gingst zu Fuß oder du fuhrst mit dem Fahrrad."
Der Neo-Unternehmer Glanz, unterstützt durch seinen Vater Wilfried und später auch durch seinen Sohn Pascal, setzt in einem ziemlich gut abgedeckten Markt auf etwas sehr Spezielles: Klappräder. Wie kommt man denn auf so etwas? „Weil ich als Kind ein Klapprad hatte und es geliebt habe! Und weil ich die ‚alten‘ Klappräder so mag und auch später etliche Exemplare hatte. Wir machen jedoch viele unterschiedliche Modelle. Aber das Klapprad war wahrhaftig mein erster Wunsch, mit dem ich mich selbständig machen wollte."
Wie kann man in Österreich als kleines Unternehmen Räder bauen? Ganz so simpel ist es nicht. Rahmen, Gabel und Sattelstütze kommen. aus der Slowakei. Gepäckträger und Kotflügel aus Ungarn, Laufräder und Lenker aus Tschechien, Bremsen, Bremsgriffe, Griffe und Sattel aus Italien. Der Rest notgedrungen aus Asien. Aus all dem macht Thomas Glanz mit seinem Team wunderschöne Glanzräder. Manche sind „customized", andere sind solide Standardgeräte, die sich in der Praxis tausendfach bewährt haben. „Unsere Zielgruppe ist eine nicht zuordenbare Nische", erzählt Glanz. „Selbst bekannte Politiker, Vorstände, Kabarettisten haben schon bei uns gekauft. Über 80-jährige und Eltern aus allen Bereichen. Viele Mütter mit jungen Kindern."
Sind denn die Käuferinnen und Käufer aus Wien dann ähnlich?
„Absolut identisch. Viele Wiener*innen entdecken uns in Graz und kaufen in Wien. Viele Tourist*innen vor allem aus Berlin kaufen in Graz spontan, wenn sie unsere Räder sehen."
Was der Familie Glanz eigentlich in die Karten spielen müsste: Klappräder können in Zusammenhang mit einem Klimaticket auch gefördert werden. Wird das schon in Anspruch genommen?
„JA, wir haben seit März 2023 fast ausschließlich förderbare Klappräder verkauft. Wir sind jedoch winzig klein. Im Jahr 2022 haben wir gesamt 782 Räder verkauft. Im Jahr 2023 bis Ende April vielleicht 60 oder 70 Klappräder. Die meisten förderbar. Da unsere Klappräder von Haus aus günstig sind, greift die Förderung stärker und sie kosten nach Abzug der Förderung nur mehr knapp 260 Euro."
Aber hallo, das klingt verlockend in Zeiten stark steigender Preise! Wie viele sind denn noch zu haben?
„Wir haben noch circa 80 Stück, dann wahrscheinlich erst wieder nächste Saison."
Die Glanzräder sind übrigens nicht nur super komfortabel in der eigenen Stadt. Wie man sich auf den Social Media Kanälen überzeugen kann, sind die handlichen Teile auch sehr praktisch, wenn es auf Urlaub geht. Ob in die Normandie oder nach Istrien. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist, schaut zuerst mal auf Facebook oder
Insta rein - oder geht doch gleich in die Grazer Mariahilfer Straße. Und wenn es dann mehr als ein Rad wird, würde uns das nicht wundern...
Die Glanzräder im Web: www.glanzrad.at
Wolfgang Kühnelt