„In die Gänge gekommen“
Radkoordinator Bernhard Krause im Gespräch
Zum Jahresende wollen wir Bilanz ziehen. Und zwar über die Neuerungen für Radler*innen in der Steiermark. Was wurde geplant? Was wurde gebaut? Und was kommt 2023 auf uns zu? Um diese Fragen zu klären, haben wir uns einen begeisterten Radler vor das Mikro geholt. Bernhard Krause ist Radverkehrskoordinator des Landes Steiermark und fährt sowohl beruflich als auch privat so oft wie möglich mit dem Fahrrad. Wie sieht er die Lage der so genannten „aktiven Mobilität"? Und warum tritt er im Winter dann doch nur selten in die Pedale? Das hat er uns im Zoom-Gespräch verraten.
Herr Krause, was war 2022 für ein Jahr für den Radverkehr in der Steiermark?
Bernhard Krause: Wenn man so will, sind wir in die Gänge gekommen. Wir sind voll in der Umsetzung der Konzepte, mit denen wir ja bereits 2018 begonnen haben. Mittlerweile haben wir alle großen Planungsräume erschlossen. Es sind derzeit 13 Projekte von der Landesregierung beschlossen und budgetiert worden. Das hat eine erstaunliche Größenordnung angenommen und reicht von Radkersburg bis Liezen und darüber hinaus. Unser Partner sind dabei die Gemeinden, die auch ihrerseits viel erreicht und durchgesetzt haben. Zum Vergleich der Größenordnungen: Wir haben früher mit Budgets von 2,5 Mio. Euro im Jahr gearbeitet, daraus wurden 5 Mio. und mittlerweile liegen wir bei rund 15 Mio. jährlich, die wir beim Land zur Verfügung haben. Mit den Mitteln der Gemeinden kann dieser Betrag verdoppelt werden, wodurch rund 30 Mio. jährlich an Investitionen in die Radmobilität möglich sind.
Was waren denn die größten Projekte 2022?
BK: Sicher ein Highlight ist das Projekt ‚Geh- und Radwege Gleisdorfer-Ring‘, eine Maßnahme des Radverkehrskonzeptes Großraum Gleisdorf. Das ist etwas Besonderes, weil wir hier fast idealtypisch diese Umgestaltung der Landesstraße nach einem ganzheitlichen Planungsansatz, in Abstimmung mit der Gemeinde entwickelt haben und gerade auch umsetzen. Wie im Radverkehrskonzept vorgesehen, wurde die Radmobilität bei der Bestandsumgestaltung gleichwertig berücksichtigt. Es wurden beim Ring im Zentrum die Flächen neu verteilt. Die Funktion der Strecke wurde genau analysiert und die Bedeutung für die ‚aktive Mobilität‘ berücksichtigt. Außerdem war der Stadt wichtig, dass auch die Aufenthaltsqualität im Zentrum steigt und die Trennwirkung zurückgenommen wird.
In anderen Teilen des Landes war in den vergangenen Monaten auch einiges los. Was genau ist dort passiert, was ist geplant?
BK: In Hartberg haben wir ein ähnliches Thema, auch hier verfolgen wir ein integriertes Verkehrskonzept. Die B50 hat an bestimmten Stellen ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, es geht um Umbauten, aber im Zuge dessen auch um neue, durchgängige Lösungen, wie einer Unterführung, und um Anschlüsse für den Radverkehr. Das ist ein wirklich großes Projekt, das im entsprechenden ‚Radverkehrskonzept Kleinregion Hartberg‘ verankert ist. Ich würde sogar sagen, das ist ein Meilenstein für Hartberg. Noch eine Stadt, in der viel passiert ist: In Leoben wurde die ÖBB-S-Bahnhaltestelle ‚Leoben Lerchenfeld‘ errichtet, wo der Radverkehr, entsprechend dem ‚Radverkehrskonzept Großraum Leoben‘ von Beginn an mitgedacht wurde. Es geht um eine gute Vernetzung zwischen den Mobilitätsformen. Auch in Weiz, genauer im Bereich St. Ruprecht, in Bruck an der Mur mit neuen Brücken und in Fürstenfeld ist einiges im Laufen.
Was ist denn mit den 100 Millionen Euro, die für Graz vorgesehen sind, bisher geschehen?
BK: Bei der Radverkehrsoffensive Graz, die auf 10 Jahre projektiert ist, teilen sich ja Land und Stadt die Kosten je zur Hälfte. Ergibt im Jahr für uns 5 Mio., die wir budgetär zur Verfügung haben. In Graz sind wir ebenfalls in der Umsetzung und mit dem Jahr 2022 wurden die ersten Investitionen getätigt. Mit dieser Planungssicherheit werden jährliche Programme vorbereitet und auch umgesetzt.
Unsere aktuelle Podcast-Folge dreht sich um das Radeln im Winter, um die Kälte und um die richtige Ausrüstung. Wie hält der Radfahrer Krause das denn?
BK: Also ich unterscheide mich da wahrscheinlich nicht von vielen anderen. Ich pendle und fahre im Winter eher mit den Öffis. Ich gehe viel zu Fuß, aber ich fahre schon auch mit dem Rad. In Graz zum Beispiel mit unserem Lastenrad. Allerdings nicht, wenn Schnee oder viel Eis liegt. Die Kälte vertrage ich auf den Ohren und bei den Atemwegen nicht gut, deshalb habe ich ein Stirnband unter dem Helm. In der Freizeit mache ich gerne Sport, der zur Jahreszeit passt. Im Winter also eher Wintersport.
Zweite Frage an den Radfahrer: 2022 ist endlich eine recht klare Regelung gekommen, was das Überholen angeht. Merken Sie das auch schon, wenn Sie mit dem Rad unterwegs sind?
BK: Ich persönlich bin im Herbst nicht so viel im Freiland gefahren, seit die Regelung gilt (STVO Novelle seit 1. Oktober gültig). Ich werde 2023 da genauer darauf achten. Prinzipiell ist das ein wichtiges Thema, denn alle, die so wie ich gern mit dem Rennrad im Freiland fahren, kennen das Problem. So gut wie bei jeder Ausfahrt gab es bisher Probleme mit dem Abstand beim Überholen.
Zum Abschluss: Was passiert 2023 in Eurem Bereich?
BK: Wir bleiben dran. Unsere Konzepte sind ja mehrjährig aufgesetzt. Zusätzlich kommen neue Vorhaben. Das Radkonzept Murau/Murtal ist ein Projekt, das knapp vor einer Genehmigung steht. In GU-Süd gibt es ein zweites großes Vorhaben, das vor der Genehmigung und Realisierung ist. Der Kernraum Voitsberg und GU6 sind in Vorbereitung. Auch in Graz ist wieder einiges vorgesehen. Und alles, was im Plan für 2023 steht, wird dann auch kommen, wenn nicht irgendwo unvorhersehbare Überraschungen, etwa bei der Grundverfügbarkeit, passieren. Im Kommunikationsbereich haben wir einige Ansätze für die Sicherheit und die Gesundheit. Unsere wichtigste Zielgruppe bleiben die potenziellen Umsteiger*innen. Sie alle versuchen wir mit diversen Initiativen, mit Social Media und auch speziell mit unserem Podcast „Sattelfest" zu erreichen.
Dann gutes Gelingen und Danke fürs Gespräch!
