Mit dem Rad durch England. Ein deutsches Experiment.
England ist dieser Tage in aller Munde. Ein neuer König. Eine neue Premierministerin. Aber wie lebt es sich eigentlich in diesem Land, wenn man „absolutely" draußen bleibt? Ein deutscher Journalist probierte es aus und schrieb ein äußerst unterhaltsames Buch darüber, in dem ein klappriges Rad vom Schrottplatz eine Hauptrolle spielt.
Der Autor und Journalist Stephan Orth pflegt einen ungewöhnlichen Reise-Stil. Er war schon „Couchsurfer" in so interessanten Ländern wie Russland, China, Iran oder Saudi-Arabien. Teilweise ist das Übernachten bei Fremden dort verpönt, teilweise sogar verboten. Seine Abenteuerlust lebte Orth in England allerdings ganz anders aus: Er reiste in die Hauptstadt und legte dann auf seiner Tour 700 Kilometer zurück, ohne je einen Innenraum zu betreten. Warum? Weil es eine „Challenge" ist. Und weil es ihm in Zeiten von Pandemie und Brexit ein interessantes Experiment schien. Geht so etwas überhaupt? Und wie schafft man es unter diesen Umständen in fünf Wochen nach Newcastle zu reisen?
Hotels waren für Orth ebenso Tabu wie Autos, Busse oder Züge. Zuerst startete der Autor zu Fuß, er campierte in Gärten von Menschen, die er über das Internet ausfindig gemacht hatte. Einer von ihnen, Ben aus Stratford, schließlich half ihm entscheidend weiter. Aus seiner Sammlung an schrottreifen Fahrrädern holte er „Free Spirit", ein deutlich in die Jahre gekommenes Mountainbike. 471 Kilometer ist Stephan Orth in der Folge mit diesem wackeligen Gefährt unterwegs und lernt dabei das Land und seine Leute von einer ungewöhnlichen Seite kennen. Zwar hat Free Spirit immer wieder Pannen und bald auch nur mehr einen Gang, doch der Reisende genießt das Radeln. Denn schließlich ist er immer noch weit schneller unterwegs als per pedes. „Absolutely ausgesperrt" ist daher eine ungewöhnliche Hymne ans Radfahren. Aber auch eine minutiöse Beschreibung von Land und Leuten. Das Buch zeigt, wie wenig es zum Reisen braucht. Vielleicht ist euch auf euren Fahrten ja auch schon der eine oder die andere begegnet, die nicht mit dem neuesten Bike glänzte, sondern ganz gemütlich mit einem Second-Hand-Rad durch die Gegend gleitet. Passt gut zu unseren beiden Genuss-Radlern, die wir im Podcast im Juli vorgestellt haben.
Das Buch über das Zelten und Radeln mit wertvollen Tipps für das Outdoor-Leben sei hiermit wärmstens empfohlen:
Stephan Orth: „Absolutely ausgesperrt. Wie ich 700 Kilometer durch England reiste und immer draußen blieb", Malik 2022
Infos & Bestellmöglichkeit: https://www.piper.de/buecher/absolutely-ausgesperrt-isbn-978-3-89029-567-1


