Folge 6: Gelb, gelb, gelb ist meine liebste Farbe.
Steirische Radhändler berichten.

Jürgen Lorenz Reinsperger ist genau am zweiten Jahrestag seiner kleinen feinen Radwerkstatt Banana Bikes übersiedelt. Stammkundinnen und -kunden können beruhigt sein: Der Weg von der Annenstraße 34 zur neuen Adresse Keplerstraße 84 ist nicht weit. Eigentlich gerade zweimal ums Eck.
Am 1. August 2020 aufzusperren, also mitten in der ersten gröberen Pandemie-Welle, das war wohl ziemlich mutig, aber Jürgen hat es nicht bereut und erzählt vom gesunden Wachstum seiner Werkstatt. Er reparierte seither unzählige Räder, am liebsten sind ihm Alltagsgeräte. Leute mit hochpreisigen und hochwertigen Mountainbikes schickt er eher zu den Kollegen von Le Mur, die wir in dieser Serie auch schon vorgestellt haben.
Jürgen verkauft zwar auch Räder, die er zuvor in Schuss gebracht hat. Aber sein Fokus liegt auf dem Fahrradservice. „Es hat sich herausgestellt, dass es hier jede Menge Radler:innen gibt, die weder coole Mountainbike-Fahrer:innen sind, noch supersportliche Rennradmenschen. Die brauchen ihr Rad im Alltag und wollen es gut gewartet wissen." Als er nach Graz kam, merkte er, dass Räder in der Stadt die besseren Verkehrsmittel sind. So begann er mit den ersten Reparaturen, baute im Dachboden eine Werkstatt auf und machte die Ausbildung zum Fahrradtechniker. Nach Jobs in dem einen oder anderen Bike-Store machte er sich selbstständig.
Eine Terminvereinbarung ist bei Jürgen nach wie vor nicht notwendig, doch eines gibt er schon zu bedenken: „Grundsätzlich sollte man sich immer überlegen, ob man das Rad wirklich genau einen Tag vor der großen geplanten Radtour in die Werkstatt bringen muss." Er huldigt dem Prinzip „first come, first served" und gibt sich Mühe, damit er alle Reparaturen bis zum Ende des nächsten Werktages erledigt hat. Das heißt auch: Ersatzteile rechtzeitig einlagern. Mittlerweile weiß der Banana-Bikes-Boss auch, welche Räder die Kundschaft fährt und welche Teile daher gefragt sind. Kurzfristig bekommt man nämlich kaum etwas am Markt, das bestätigt Jürgen Reinsperger genauso wie viele andere heimische Händler.
In den Wochen nach dem Winter ist die Zeit im Jahr, wo Reparaturen besonders gefragt sind. „Sobald sie anfangen, die Straßen zu streuen, geht mir die Arbeit auch nicht aus", schmunzelt Jürgen. Wenn er ab und an ein Rad verkauft, dann ist es nicht selten ein Custom Bike, das einst gutes Geld kostete und nun über Wochen mit viel Liebe zu neuem Leben erweckt wird. „Die Herausforderung dabei ist es, den rohen Rahmen mit all den Teilen zu kombinieren, die zueinander passen", erzählt der erfahrene Rad-Restaurator. Er selbst besitzt unter anderem ein Lastenrad, zwei Fixies für die Stadt, ein Rennrad und ein Klapprad. Seine Lieblingsrunde führt zum Murberg bei Fernitz. Ein Teich liegt in der Nähe, hügelig ist es auch und es gibt mehrere Varianten, damit einem nicht langweilig wird.
Bleibt nur mehr eine Frage: Warum Banana Bikes? „Ich hab mir von meinem ersten Radboten-Gehalt einen knallgelben Aventon Rahmen gekauft. Ich hatte noch keine Werkstatt und hab es mit Mike vom Le Mur aufgebaut. Als ich fertig war, hab ich es stolz in die Höhe gehalten und Mike hat gesagt: ‚Das ist eine Rennbanane‘. Ich mochte die Farbe Gelb immer schon. Bananen sind cool als Logo, man denke nur an Velvet Underground. Und sie sind ein sehr praktisches Obst, gerade beim Radfahren."